Geschichte
Der Steinwald entstand vor etwa 300 bis 350 Millionen Jahren, als die verschiedenen Bereiche der Erdkruste übereinander geschoben wurden. In der Nachfolgezeit verwitterte die alte Landoberfläche tiefgründig und wurde abgetragen. Zurück blieben die heutigen Felsformationen. Im Tertiär entstanden die vielen Basaltkuppen, wie Armesberg oder Teichelberg, die den Steinwald umgeben.

Die Geschichte des Steinwalds als kultivierte Region begann 1061. Damals schenkte König Heinrich IV. seinem Reichsministerialen Otnant von Eschenau im damaligen Nordgau ein Waldstück. Aus der Schenkungsurkunde geht hervor, dass dieses Waldstück königlicher Bannwald war und somit eine Rodungserlaubnis hatte. Daraufhin wurden im 11. und 12. Jahrhundert große Flächen des Nordgaus gerodet, um Siedlungsgebiete zu schaffen. Auf diese Rodungen weist noch die Endung -reuth in vielen Ortsnamen wie Pullenreuth, Riglasreuth, Pullenreuth, Riglasreuth, Grötschenreuth oder Thumsenreuth hin. Die Besiedlung und Rodung ermöglichte die Entdeckung zahlreicher Erzvorkommen, die ab dem 14. Jahrhundert abgebaut und verhüttet wurden. Viele Flüsse und Bäche boten ausreichend Wasserkraft und die großen Waldflächen hohen Baumbestand zur Gewinnung von Holzkohle. Aufgrund dieser idealen Voraussetzungen zur Erzgewinnung entstanden im Spätmittelalter rund um den Steinwald 20 bis 25 Hammerwerke. Um 1600 nahm die Oberpfalz und damit vor allem der Steinwald den zweiten Platz unter den europäischen Eisenzentren ein. Eine Übernutzung der Wälder durch den hohen Holzbedarf zur Erzverhüttung und für die Köhlerei waren die Folge. Es wurde der Amberger Regierung über die zunehmende „Verödigung des Holzberges“ (Steinwald) berichtet. Aus Furcht vor einer Holznot erließ der Waldecker Statthalter Johann von Leuchtenberg 1540 die erste Forstordnung für den Steinwald.

25 Jahre später folgte der „Obern kurfürstlichen Pfalz in Bayern Waldordnung“, die eine nachhaltige Nutzung und Wiederverjüngung der Wälder vorschrieb. Dieses Vorhaben wurde jedoch durch den Dreißigjährigen Krieg vereitelt. Weiterhin wurden die Wälder rücksichtslos ausgebeutet. Wegen der guten Holzkohle, die sich daraus herstellen ließ, wurde der Anbau von Fichten und Kiefern auf den Kahlschlägen gefördert. Die Laubbaumbestände kamen kaum mehr zur Verjüngung, zudem wurden die jungen Bäume durch das Weidevieh abgefressen. Somit verschwand das Laubholz fast vollständig aus den ehemaligen Mischwäldern. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann dann die Stallhaltung der Rinder, was zu einer ausgedehnten Streunutzung führte und nun vollends zum Niedergang der ausgeplünderten Wälder führte. Erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts konnte eine geregelte Forstwirtschaft den Raubbau am Wald unterbinden und beenden.

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Namensherkunft
Der Name Steinwald kommt nicht, wie oftmals fälschlich angenommen wird, von der großen Zahl an Felsen und Steinen im Wald. In einer Steuerdistriktskarte aus dem Jahre 1814 wird die Burg Weißenstein als Stein = Weißenstein bezeichnet. Wenn man diesen Gedanken weiterführt, wäre der Steinwald dann der „Weißensteinwald“, d. h. die herrschaftliche Waldung, die zur Burg gehörte. Auf diese Herkunft des Namens weist auch die Bezeichnung Erbstainwald hin, die in vielen Besitzurkunden der Notthafftee vorkommt. In diesen Urkunden wird die Burg Weißenstein auch öfters als das „Schloss auf der einen Seitend des Waldes“. Die Beschreibung des Halsgerichtes (Gerichtsbezirk) der Herrschaft Weißenstein aus dem Jahre 1631 gibt die Erklärung für diesen merkwürdigen Begriff. Es heißt darin:

uf derselben schloß gezürk, dörffern, hämmern, gütern und wäldern mit na-

men,

zwen hof, einer siebenlind, der andere harpfersreuth,

item zwey Dörfer Poppenreuth und helmbrechts

der rainwald das Gefäll, der andere Steinwald genannt

beide vom Weißenstein und gerichten Redwitz und Siebenlind-wärts

in einer halben meil wegs liegen [...]

Der Höhenkamm im Norden von der Plattee bis zum Weißenstein und die damals noch vorhandene Gemarkung der Wüstung Siebenlind begrenzten den historischen Steinwald. Der in der Quelle genannte Ort Harpfersreuth wurde 1632 von den Schweden verwüstet - eine Waldwiese ist das einzige, was von Harpfersreuth übrig blieb. Mit Redwitz ist das heutige Marktredwitz gemeint. Der heutige Steinwald und der gleichnamige Naturpark haben mit diesem historischen Waldgebiet nur mehr den Namen gemeinsam. Der Name Steinwald stammt mit Sicherheit aus den Anfangsjahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

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Sagen
Es gibt zahlreiche Sagen im Steinwald. Viele davon handeln von der Burg Weißenstein, wie auch diese hier: Bereits zu Lebzeiten Karls des Großen oder Ludwigs des Blinden wanderte ein Friesenfürst namens Rapotus oder Radipold aus seinem Stammland aus und kam mit seinem Gefolge in den Steinwald und in das angrenzende Fichtelgebirge. Dort soll er das nach ihm benannte Dorf Rapotenriut (heute Herzogöd) gegründet haben. Es entstand ein reger Handel zwischen den bereits im Steinwald lebenden Slawen-Wenden und dem Volke Rapotus. Doch eines Tages geriet er in Streit mit den Handelspartnern und im Kampf wurde seine Pfalz Herzogöd vernichtet. Also errichtete er weiter südlich die Burg Weißenstein, die bis heute steht.“

Um ungewöhnliche Steinformationen oder Naturbegebenheiten ranken sich ebenfalls Sagen. Die Entstehung des Teufelssteins erklärt die Sage wie folgt:

Der Steinwald ist durch viele aus dem Wald ragende Granitfelsen gekennzeichnet. Bei Napfberg befindet sich ein solcher, genannt der Teufelsstein. Der Teufel wollte mit diesem Felsen den Bau der Wallfahrtskirche Fuchsmühl verhindern. Er machte sich also auf den Weg nach Fuchsmühl. Auf dem Weg begegnete ihm eine Frau, die ihre kaputten Schuhe auf dem Rücken trug. Als der Teufel wissen wollte, wie weit es noch bis Fuchsmühl sei, zeigte die Frau ihm ihre zerrissenen Schuhsohlen. Daraufhin soll der Teufel über die weite Entfernung zornig geworden sein und den Teufelsstein auf den Boden geworfen haben, wo er heute noch liegt.“